Welche Gebiete sind bei Starkregen besonders gefährdet?
Naturräumliche Gegebenheiten und Flächennutzung können Überflutungen und Sturzfluten bei Starkregenereignissen begünstigen.

Neben der naturräumlichen Charakteristika (geographische Lage, Relief, Topographie, Landbedeckung), der Landnutzung und den baulichen Bedingungen (Siedlungsentwicklung und Grundstücksbebauung ), nehmen die hydraulische Leistungsfähigkeit der Gewässer, der Kanalisation, und des Grundstücksentwässerungssystems Einfluss auf die Art und Schwere der Folgen eines Starkregenereignisses und der potenziellen Schadenshöhe (Forschungsprojekte: URBAS und RIMAX).

Ein Starkregenereignis wirkt sich je nach Geländebeschaffenheit unterschiedlich stark aus. Im Wesentlichen kommt es vor allem darauf an, wie gut der Boden das Wasser aufnehmen kann, bzw. wie gut es abfließt. Sind die Böden etwa von vorausgegangenen Regenfällen noch durchnässt (teil- oder vollständig gesättigt), besitzen diese bei neuem Starkregenereignissen eine nur sehr geringe Aufnahmefähigkeit. So können bei durchnässten Böden bereits geringe Regenmengen dieselben Auswirkungen hervorrufen, wie größere Regenmengen bei trockenen Böden. Ebenso kann das Wasser bei gefrorenen und sehr stark ausgetrockneten Böden kaum oder nur schwer versickern. Zusätzlich verstärkt wird das Risiko durch eine starke Versiegelung von urbanen Räumen. In stark verbauten urbanen Gebieten können kurzzeitige hohe Regenintensitäten erhebliche Probleme mit sich bringen wenn die Kanalisation die großen Wassermassen nicht mehr aufnehmen kann. Dabei können sich selbst Gehwege und Straßen in kurzer Zeit in reißende Flüsse verwandeln. Die dabei entstehenden Schäden sind oft enorm.

In flachen Gegenden (z.B. Weser-Aller Flachland, Norddeutsche Tiefebene), kann das Wasser durch fehlendes Gefälle nicht so schnell abtransportiert werden wie in gebirgigerem Gebieten, und gegebenenfalls nur begrenzt vom Boden aufgenommen werden (in Abhängigkeit von seiner Sättigung). Daher kann es schnell zu einer Überlastung der Kanalnetze kommen. In Gebieten mit stärkerem Gefälle kommt es zu mitunter extrem schnell ansteigenden, schwallartigen Hochwasserwellen, deren Wassermassen innerhalb kürzester Zeit auch Gegenden erreichen können, in denen es nicht geregnet hat und die daher keiner direkten Gefahr ausgesetzt waren (BBK Handbuch Starkregen und Sturzfluten 2015).

Rasche kleinräumige Gewitterbildungen lassen sich nach derzeitigem Wissensstand selbst mit den besten Computermodellen und technischen Geräten nicht verlässlich vorhersagen. Darüber hinaus können Sturzfluten- oder Starkregenereignisse grundsätzlich nie für eine Region in Deutschland ausgeschlossen werden. Lediglich Risikofaktoren wie die topographische Lage und eine fundierte Risikoanalyse können Hinweise darauf geben, wie stark eine Region gefährdet sein kann.

Vor allem in dicht bebauten Wohnvierteln ohne Grünanlagen, auf großen Industrieflächen mit vielen Parkplätzen, in eng betonierten Gassen und Straßen sowie an Bachläufen, die begradigt und in schmale Betonkanale gezwängt wurden, können Starkregen und Sturzfluten verheerende Schäden anrichten. Denn dort kann das Wasser durch die Asphaltierung nicht mehr ausreichend vom Boden aufgenommen werden (fehlende Versickerung), gleichzeitig kann das Wasser in den Straßen sehr hohe Fließgeschwindigkeiten erreichen (BBK Handbuch Starkregen und Sturzfluten 2015.). Ein hohes Überflutungsrisiko haben Grundstücke ohne Rückstausicherung, ohne ausgeprägte Bordsteinkante, sowie hoch versiegelte Gewerbe- und Industrieflächen.

Weiß man bei Flusshochwasser oft aus der Erfahrung vergangener Ereignisse, wo das Wasser zu welchem Zeitpunkt kommen wird, ist dies bei Sturzfluten nicht möglich. Zwar lassen sich manche Schäden, wie bspw. die Überflutung von Dorfbächen, gut vorhersagen und daher reduzieren, eine Garantie oder 100-prozentige Sicherheit können aber selbst die besten Schutzmaßnahmen nicht bieten.





Kombination Regen auf Steinpflaster; Gewitterwolken _ pixabay



                   
Quelle: Pixabay                    
                   




Literatur:
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) (Hrsg.), 2015: Die unterschätzten Risiken „Starkregen“ und „Sturzfluten“ - Ein Handbuch für Bürger und Kommunen, 400 S.
Online verfügbar: https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/BBK/DE/2016/PM_Starkregen_Sturzfluten.html,

Projekt URBAS: Urbane Sturzfluten. Laufzeit: 05/2005 - 04/2008. http://www.urbanesturzfluten.de/,

BMBF Förderaktivität RIMAX: http://www.rimax-hochwasser.de/.




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